Himmel und Erde aus Nordrhein-Westfalen

Himmel und Erde aus Nordrhein-Westfalen

Ich werde für euch heute Himmel und Erde aus Nordrhein-Westfalen kochen. Herzlich Willkommen bei meinem bereits sechsten(!) Teil von eat-the-world! Diese Woche war es wirklich sehr schwer jemanden aus Schwerte oder Umgebung zu finden und dachte schon, dass ich euch auf nächste Woche vertrösten muss. Gestern war es aber soweit. Ich wollte mir gerade ein entspannendes Bad nehmen, als mir Marius aus Schwerte geschrieben hat – vielen Dank Marius! Wie das Schicksal so will, ist es sehr einfach nachzukochen und braucht wirklich sehr wenig Zutaten, die ich alle zuhause hatte. Himmel und Erde bezeichnet man auch nicht umsonst als Arme-Leute-Essen. Wie es die Serie so verlangt, kommen wir zuerst mal zur Stadt Schwerte, die sich im Bundesland Nordrhein-Westfalen befindet.

Schwerte

Schwerte ist mit knapp 50.000 Einwohnern (2018) eine etwas kleinere Stadt im Kreis Unna und liegt südöstlich von Dortmund (15 Kilometer entfernt) an der Ruhr. Marius bezeichnet Schwerte eher als ein Dorf, was in meiner Gegend eher als Metropole gilt. In Meiner Stadt Hohenems sind gerade mal knapp 17.000 Einwohner und ist die viertgrößte Stadt im Bundesland Vorarlberg.

Einige kulturelle Veranstaltungen ziehen viele Menschen aus nah und fern in die Ruhrstadt. Highlights sind unter anderem das Welttheater der Straße, das jährlich am letzten Augustwochenende veranstaltet wird und das „Pannekaukenfest“, das als größtes Stadtfest in Schwerte gilt. Der „Pannekauken“ hat seinen Ursprung in der folgenden Sage: Im 17. Jahrhundert gab es in Schwerte eine sehr große Hungersnot, die durch Brände und mehreren feindlichen Angriffen ausgelöst wurde. Auf den Böden gediehen nur noch Kartoffeln und Raps, was die Schwerter Frauen dazu bewegt haben soll, die Kartoffeln zu reiben und mit Rapsöl in der Pfanne anzubraten. Damit konnte die Hungersnot gemildert werden.

Pannekauken muss ich auch unbedingt mal machen, hört sich sehr mystisch an 🙂

Schwerte

Himmel und Erde aus Nordrhein-Westfalen

Himmel und Erde besteht aus Kartoffelpüree und Apfelmus bzw. Apfelstücken. Das Gericht ist seit dem 18. Jahrhundert bekannt und seinen Namen hat es daher, dass seine Grundbestandteile Äpfel und Kartoffeln sind. Die Äpfel wachsen in den Himmel und die Kartoffeln – auch “Erdäpfel” genannt – in die Erde hinein. Häufig wird Himmel und Erde zusammen mit gebratener Blutwurst, gerösteten Zwiebeln, Speck Speck oder gebratener Leberwurst serviert.

“Himmel und Erde” gibt es in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen, also im gesamten norddeutschen Raum. Aber auch die Elsässer und die Schwaben behaupten für sich, das Gericht komme aus ihren Regionen. Die Sachsen streuen Kümmel hinein und versichern, dass es sich um eine uralte sächsische Speise handle. Ähnliches hört man aus Bayern und dem Rheinland, aber wo es aber zum ersten mal gekocht wurde, weiß bis heute niemand.

Zutaten Himmel und Erde für 4 Personen

  • 1 kg Kartoffeln
  • Wasser (1 L für Kartoffelpüree, 80 ml für Apfelmus)
  • 1 kg Äpfel
  • 4 Zwiebeln
  • 3 EL Butterschmalz
  • 2 TL Salz
  • 2 Stk. Vanilleschote
  • 1 Schuss Milch
  • 2 EL Butter
  • 1 Prise Muskatnuss
  • 2 EL brauner Zucker
  • 2 Stk. Zimtstangen
  • 1/2 Zitrone
  • 1 Prise Meersalz
  • 2 EL Mehl

Zubereitung Kartoffelpüree

Für ein Kartoffelpüree sollten am Besten mehlige Kartoffeln verwendet werden. Die Kartoffeln schälen, in etwa gleich große Stücke schneiden und in einen Topf mit soviel Wasser geben, dass die Kartoffeln gerade bedeckt sind. Salzen, aufkochen und – bei geschlossenem Deckel – ca. 20 Minuten köcheln lassen. Den Topf vom Herd nehmen und das Wasser abgießen. Die Kartoffeln zerstampfen und etwas Milch zugießen, Butter oder Margarine und etwas Muskatnuss zufügen. Nochmals gut mit dem Kartoffelstampfer zerstampfen und mit einem Schneebesen flaumig schlagen bis ein richtiger Kartoffelbrei entsteht, danach das Kartoffelpüree auf die Seite legen.

Zubereitung Apfelmus

Äpfel waschen, schälen, vierteln und das Kerngehäuse entfernen. Wasser in einem Topf mit den Vanilleschoten, Zucker und Zimtstange zum Kochen bringen. Die Äpfel in kleine Stücke schneiden, mit Zitrone beträufeln und 15 bis 20 Minuten auf niedriger Stufe köcheln lassen, danach die Vanilleschote und Zimtstange entfernen. Anschließend mit einem Pürierstab zerkleinern und auf der Seite abkühlen lassen.

Zubereitung Röstzwiebeln

In eine großen Pfanne gibt man 4 EL Butterschmalz und erhitzt dieses langsam bei mittlerer Hitze. Die Temperatur sollte am Ende nicht mehr als ca. 165°C betragen, da die Zwiebelringe sonst zu wenig Wasser verlieren und zu schnell dunkelbraun bis schwarz werden. In der Zwischenzeit schält man die Zwiebeln, halbiert diese und schneidet sie mit einem scharfen Messer dünne Streifen. Die in Streifen geschnittenen Zwiebelringe gibt man nun in eine große Schüssel und mengt diese von Hand ein wenig durch, damit die Zwiebeln nicht mehr aneinander kleben. Hat das Butterschmalz seine Temperatur erreicht, gibt man eine gute Prise Salz und das Mehl zu den Zwiebeln und schwenkt diese ordentlich durch. Das Salz sollte nicht zu früh dazu gegeben werden, das es den Zwiebelringen die Feuchtigkeit entzieht.

Jetzt gibt man eine gute Handvoll mehlige Zwiebelringe ins heiße Butterschmalz. Vorsicht, es könnte spritzen – ich habe mich mal schon öfters verbrennt! Es sollten nicht zu viele Zwiebeln auf einmal ins heiße Fett gegeben werden, da diese sonst nicht vernünftig ausbacken können. Wenn die Zwiebelringe schön im goldgelben Butterschmalz schwimmen, sollte man darauf achten das sie nicht zu dunkel werden. Es braucht zwar am Anfang ein paar Minuten, aber der Übergang von goldbraun zu schwarz geht sehr schnell. Haben die Zwiebelringe die gewünschte goldbraune bis bernsteinfarbene Färbung erreicht, nimmt man sie am besten mit einer Schöpfkelle aus dem Butterschmalz und legt sie auf etwas Küchenpapier, damit das abtropfende Fett aufgesaugt wird und sie schön auskühlen können. Lieber zu früh rausnehmen, denn sie bräunen dann noch nach!

Tipp: die Röstzwiebeln am Besten über Nacht stehen lassen, so schmecken die um einiges besser!

Mahlzeit und bis zum nächsten mal!

Himmel und Erde aus Nordrhein-Westfalen

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